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Ökumenische Klinikseelsorge Kaufbeuren

Du bist ein Teil dieser Schöpfung

Foto: privat

An Pfingsten war ich für eine Woche in Assisi. Seitdem begleitet mich dieser besondere Ort. Die engen Gassen, die alten Steine, die Kirchen, die Landschaft Umbriens – und natürlich die Erinnerung an Franz von Assisi.

Am 4. Oktober denken wir in besonderer Weise an ihn: 800 Jahre sind vergangen, seit Franziskus 1226 gestorben ist.
Franziskus fasziniert mich, weil sein Leben keineswegs immer leicht und unbeschwert war. Er kannte Krankheit und körperliche Grenzen. Er erlebte Krisen und Zeiten der Dunkelheit. Und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – entdeckte er etwas Kostbares: die Verbundenheit mit allem, was lebt.
In seinem berühmten Sonnengesang nennt er die Sonne seine Schwester und den Mond seinen Bruder. Wind, Wasser, Feuer und Erde gehören für ihn zu einer großen Gemeinschaft der Schöpfung.
Als ich in Assisi war, konnte ich etwas davon erahnen. Ich musste nur stehen bleiben und schauen: auf die Landschaft, in den Himmel, in das Licht eines neuen Morgens.

Der Oktober lädt auch uns zum Schauen ein. Die Kirche feiert Erntedank. Wir sehen Früchte, Gemüse, Brot und Blumen vor dem Altar und danken Gott für das, was gewachsen ist.
Erntedank kann noch etwas anderes bedeuten. Ich frage mich:
Was ist in meinem Leben gewachsen?
Vielleicht war es ein kleiner Schritt. Ein Gespräch, das mir gutgetan hat. Ein Mensch, der geblieben ist. Oder ein Augenblick, in dem ich wieder lachen konnte.
Gerade wenn das eigene Leben schwer geworden ist, wenn Gedanken kreisen oder die Seele müde ist, erscheint das wenig.
Aber es ist nicht wenig.

Franziskus erinnert mich daran, dass vor Gott nicht nur das Große zählt. Die Sonne gehört zur Schöpfung – ebenso der kleine Grashalm. Der mächtige Baum – wie auch das unscheinbare Samenkorn.
Und auch ich gehöre dazu.

Wolfgang Eble, Seelsorger

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