„Schlupfwinkel der Beschaulichkeit“
Liebe Leserin, lieber Leser,
regelmäßig nehme ich mir Zeit und gehe raus in die Natur. Da sitze ich am Rand einer Wiese oder stehe zwischen groß aufgewachsenen Fichten und Buchen mitten im Wald. Genieße den kühlen Wind am Abend eines heißen Sommertages oder den frischen Tau am frühen Morgen. Und sonst gibt es keine Menschenseele.
Schlupfwinkel der Beschaulichkeit sind das für mich!
Da komme ich zur Ruhe, sinne meinen Gedanken nach und werde still. Und manchmal beginnt eine interessante Entdeckungsreise zu mir selbst.
Ich muß mir das vornehmen: still zu werden, zur Ruhe zu kommen. Und oft genug schaffe ich es auch nicht.
Wir tun uns schwer damit allein mit uns zu sein, uns all jenen Ablenkungen zu entziehen, die zu der Welt von heute gehören, still zu werden und zur Ruhe zu kommen. Als ob wir nur noch mit der Uhr und dem Handy in der Hand leben könnten, fortwährend geplagt von dem Gedanken, wir könnten etwas versäumen. Als ob wir ständig auf der Flucht vor uns selber wären.
Dabei brauchen wir in all unserem Tun solche Schlupfwinkel der Beschaulichkeit, Stunden der Stille, Räume der Ruhe, denn alles Wesentliche kommt aus der Stille. Einer macht es vielleicht so wie ich und geht hinaus in die Natur, ein anderer zieht sich mit einem Buch zurück und ein Dritter hört ruhige Musik. Wir alle brauchen solche Zeiten der Ruhe um im Auf und Ab unseres Lebens zu bestehen. Um immer wieder jener Gewissheit auf die Spur zu kommen, die Sinn stiftet, die das Leben trägt, ihm Halt und Hoffnung gibt.
Still werden, Ruhe einkehren lassen. Das ist wie am Abend eines bewegten Tages, wenn man sich an einem warmen Sommerabend auf die Terrasse oder auch Biergarten setzt und eine gute Brotzeit macht. Dann fühlt man wieder Boden unter den Füßen, setzt sich hin, sortiert die Sorgen und Freuden dieses Tages und schließt Frieden mit ihm. Dann lösen sich alle Spannungen. „Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast – und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann“, heißt es in einem alten Gebet.
Der christliche Glaube kennt die Kraft der Stille, aber auch die Flucht des Menschen vor der Stille, weil sie allem Machbarkeitsdenken widerspricht. Denn still sein heißt: nichts machen, hören lernen und empfangen können. In der Stille kommt Gott uns nahe. So wird uns im 46. Psalm gesagt: „Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin.“ Oder beim Propheten Jesaja (30, 15): „Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“
Das wünscht Ihnen in dieser sommerlichen Zeit,
Ihr Johannes Steiner
Bitte besuchen Sie diese Seite bald wieder. Vielen Dank für ihr Interesse!
